Bericht vom langen Blauband

Warmes Wetter, wenig Wind mit einzelnen Schauern und vielleicht auch ein Gewitter am Nachmittag: So die Prognose für die Regatta Zug-Arth retour, organisiert vom Yacht Club Zug. Nach mühsamem Beginn entwickelte sich die Regatta zu einem absoluten High-Light mit überraschender Rangliste.
Viele schöne Bilder aufgenommen von Marcel Ban:
11.00h
Startverschiebung
Die 23 Boote dümpelten herum und manch einer fragte sich, wie das noch ausgehen soll.
11.20h
Start
Zusammen mit meiner Tochter und ihrem Freund starteten wir auf unserer H323 vor dem Hafen in Zug bei null-Wind.
Was solls? Eine Regatta des Zugerseecups gibt Zeit, zusammen zu sein. Für mich: geschenkte Zeit.
13.20h
Oberwil (sic!)
Das Feld, auch die schnellen Boote vermochten sich nicht abzusetzen, blieb bis Oberwil zusammen. Um 13.20h passierten wir den Rigiblick. Sie haben richtig gerechnet: zwei Stunden nach dem Start … für die wenigen Meter! Wie soll das noch ausgehen?
Das Glück kam. Ich gebs zu: Es war Glück, reiner Zufall. Mit einer Bö vom Zugerberg preschten wir plötzlich los bis zum Chieme. Ich staunte nicht schlecht, dass wir mit unserer Fahrtenyacht auch nach drei Stunden Regattazeit am Heck der schnellsten Boote klebten. Zu dieser Zeit waren wir in der Enge zwischen Chieme und Lothenbach.
Der Wind liess wieder nach und wir dümpelten erneut, diesmal Richtung Walchwil.
14.00h
Chieme
Wir dachten noch: Die Zeitlimite schaffen wir nie. Die Regatta wird doch sicher in Arth vorbei sein und in die Annalen der Mühsamen eingehen. Weit gefehlt: Die ersten Tropfen setzten ein, gefolgt von aufkommendem, immer stärker werdendem Südwestwind. Eine Gewitterwand stand über Arth. Rein in die neuen SCC-Kombis, Schwimmweste darüber: Wir waren vorbereitet. Es blieb dann aber beim auffrischenden Südwest, linksdrehend auf Süd. Die schnellen Boote waren natürlich auf und davon, doch mit Yardstick … wer weiss …
Mit mehr als 6 Knoten Fahrt, bei 3 in den Böen bis 5 Beaufort auffrischend, war die Strecke bis zur Luvtonne, die die Regattaleitung leicht nach Nord versetzt hatte, eine kurze Sache.
15.00h
Runden der Boje
Der Wind blies stark. Auch ohne Spi, den setzten wir aus Sicherheitsgründen erst nach beim Chieme, rauschten wir mit 6-7 Knoten zurück Richtung Zug.
15.30h
Chieme
Nach 4h passierten wir den erneut den Chiemen und setzten bei etwas leichterem Wind die grosse Kugel. Der Rest war eine ,Schussfahrt` vor dem Wind ins Ziel vor Zug.
16.00h
Zieleinlauf nach 4 Stunden und 37 Minuten
Die Strecke zwischen Oberwil und Zug, auf dem Hinweg brauchten wir dazu zwei Stunden, absolvierten wir in 10 Minuten!
19.00h
Rangverkündigung und Grilladen
Am Abend ab 19.00h gemütliches Beisammensitzen, Freibier mit Kartoffelsalat und Würsten vom Grill.
Natürlich waren wir gespannt auf die Rangliste. Was wir in der Zwischenzeit erfuhren, war die alte Gewissheit, dass schon wieder Rafi mit seiner Vuvuzela das schnellste Boot war. Wie aber kommt das raus, wenn die Schnellen nicht einfach vorne weg ihr Privatrennen absolvieren?
Die Schnellen, die verloren: Rafi, Gewinner des Blauen Bandes, auf Vuvuzela (Yardstick 83) brauchte 4h9min und kam auf Rang 12. Tschüli Müller mit seinem Corbo mit höchstem Handicap (80) auf Rang 19, Hajö Spiess auf Heron (86) Rang 13 und Meiko Meier auf seinem A-Cat (81) auf Rang 22. Unser Chamer Team Christoph Gehrig mit Crew, sie liefen nach 4h26min als fünfte ein, platzierten sich auf dem 16. Rang.
Die Langsamen, die gewannen: Vielleicht kennt ihr sie, die Crew der Supermaus. Aus meiner Sicht DIE Segler: Immer mit dabei, beste Moral, trotz eigentlich langsamem Schiff (Yardstick 112). Der Einlauf nach 5h11min verrechnet mit der Yardstickzahl bescherte der Crew einen topFive Platz, 5. Rang, knapp vor Eddie Huber auf seiner Elan (104). Auf dem 4. und 3. Rang dann die Surprise von Philipp Angst und Zubi. Für uns resultierte, Jupiii!, der zweite Rang hinter dem grossen Sieger Frank Bochmann auf der Beneteau, eingelaufen nach 4h54 (Yardstick 111).
Und nun das Sahnehäubchen: Die einzige Skipperin am Start Meja Breitenmoser von unserem Club auf der J70 hatte mit der Crew keine Chance bei diesen Windbedingungen. Die J70 braucht konstanten Wind, um das Handicap (Yardstick 93) ausgleichen zu können. Als einzige Skipperin hätte für mich Meja den Skipperswoman-Spezialpreis verdient.
Ich schreibe den Bericht weil ich der Überzeugung bin, dass die Zugerseeregatten richtig Spass machen. Wo kann ich das sonst: Für wenig Geld mit Kollegen einen Tag segeln, quatschen, mich ärgern, freuen … alles organisiert. Am Abend dann noch ein feines Nachtessen. Je mehr wir sind, desto grösser ist der Spass! Das Mitmachen zählt, die Rangliste ist spannend aber eigentlich nicht wichtig. Es kommt eh anders ;-)
Pit